Im Zeichen der Malerei
Nach 2022 und 2024 kamen vom 07. bis zum 12.07.2026 zum dritten Mal Besucher aus Bouc Bel Air nach Feldafing. Wir begrüßten 17 Französinnen und Franzosen, darunter fünf Jugendliche im Alter zwischen 12 und 18 Jahren und vier Pensionisten im Alter von über 66. Sie waren bis auf ein Ehepaar alle privat bei Feldafinger Familien untergebracht.

Foto: Andrea Jaksch, Starnberger Merkur 10.07.2026
Den Startschuss gab Bürgermeister Matthias Schremser mit einem Empfang im Feldafinger Rathaus. Neben ihm und dem Zweiten Bürgermeister Anton Maier waren zahlreiche amtierende und ehemalige Mitglieder des Gemeinderats zugegen, darunter die neue Kulturreferentin, Frau Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, vormals langjährige Bundesministerin der Justiz. Im Starnberger Merkur erschien am 10.07.2026 hierüber ein Bericht über den Empfang samt Gruppenfoto. Danach ging es zum gemeinsamen Abendessen in den Gasthof Poelt.
Der folgende 08. Juli begann mit einem gemeinsamen Backseminar in der Akademie des Bayerischen Bäckerhandwerks in Gräfelfing. Unter Anleitung von zwei Bäckermeistern, einer von ihnen Franzose, buken wir gemeinsam Mischbrot, Roggenbrot und Brezn.
Das Breznschlingen erwies sich als gar nicht so leicht, so dass manche Ergebnisse zwar eher kreativ aussahen, aber genauso gut schmeckten wie die Produkte der Profis.






Die Bäckerakademie in Gräfelfing
Nach dem Mittagessen in der Kantine der Akademie ging es weiter zum Radom Raisting. Das ist die ehemalige Erdfunkstelle, über die ab Mitte der 1960er Jahre neben Telefongesprächen auch Fernsehbilder über Satellit übertragen wurden, so u.a. die Mondlandung von 1969 und die Olympischen Spiele von 1972. Eine Führung durch die Tragluftkuppel brachte uns ein wichtiges Stück Technikgeschichte näher.
Zum Abendessen ging es dann auf den Hohenpeißenberg. Das Essen und die schöne Aussicht dort mussten wir uns aber erst noch verdienen. Denn im Rahmen eines Workshops erschlossen wir zunächst gemeinsam das Projektthema des Besuchs. Dieses lautete: „Der Einfluss von Paul Cézanne auf die Maler des Blauen Reiter“.
Ein Einführungsreferat befasste sich damit, wie die Bilder des berühmten Sohns von Aix-en-Provence nach Deutschland kamen, in unsere Museen, in den Kunsthandel und zu den Malern, die damals nach Wegen jenseits der herkömmlichen akademischen Maltradition suchten.
Sodann wurde in einem weiteren Impulsreferat der Malstil des Blauen Reiter mit dem von Cézanne verglichen. Sehr interessant war die folgende intensive Diskussion. Gerade die französischen Gäste spannten uns einen weiten Bogen mit Wassily Kandinskys Schrift „Über das Geistige in der Kunst“ bis hin zum Briefwechsel zwischen Cézanne und seinem Jugendfreund Émile Zola über das Politische in der Kunst. Beide sahen dies sehr gegensätzlich.

Der nächste Tag, der 09. Juli, galt München. Dank einer pünktlichen S6 war noch Zeit für einen kleinen Rundgang über den Königsplatz, die Musikhochschule und die Ruinen der NS-Ehrentempel. Sodann ging es in die Städtische Galerie im Lenbachhaus zu einer Führung durch die dort gerade laufende Sonderausstellung über den Blauen Reiter.
Die Führerin ging insbesondere auch auf den Kontext ein, in dem diese Künstlergruppe mit der übrigen Münchner Avantgarde stand. Aber auch die Highlights, wie Alexej von Jawlenskys Portrait des Tänzers Alexander Sacharoff (von der Führerin als das Münchner Pendant zur Pariser Mona Lisa apostrophiert) oder das Werefkin-Portrait von Gabriele Münter, kamen nicht zu kurz. Natürlich wurden auch August Macke, Franz Marc und Kandinskys schwieriger Weg in die Abstraktion nicht ausgelassen. Die Bilder der bislang eher verkannten Maria Franck-Marc sind mit ihren Zitaten aus Cézannes Stillleben sehr spannend. Im Rahmen der Führung entspann sich eine Diskussion darüber, was eigentlich „entartete Kunst“ ist. Die französische Außensicht erwies sich hier als sehr wertvoll.


Cézanne, Stillleben mit Blumen und Früchten
Karoline Wittmann, Selbstbildnis
Nach einem Nachmittag zur freien Verfügung in München trafen wir uns an der Oper. Mit der Tram 21 ging es zum Ostbahnhof und dort zum Riesenrad im Kunstpark Ost. Bei Brotzeit und Getränken genossen wir die herrliche Aussicht über München bis hin zu den Alpen. Sodann ging es mit dem obligaten kleineren S-Bahn-Abenteuer nach Feldafing zurück.
Am 10. Juli erfüllten wir den französischen Besuchern ihren Wunsch nach einem Ausflug nach Herrenchiemsee. Dort stand nicht nur des Märchenkönigs berühmte Kopie des Schlosses von Versailles auf dem Programm, sondern auch das Alte Schloss mit den Sitzungsräumen des Parlamentarischen Rats, also der Wiege unseres Grundgesetzes. Ein Abstecher auf die Fraueninsel war trotz der knappen Zeit noch möglich.

Sitzungssaal für das neue Grundgesetz 1948 im Alten Schloß
Am Abend waren die Gäste verteilt bei Feldafinger Familien zum Essen eingeladen. Bis auf die Jugendlichen, die früher vom Pizzaessen in ihre Quartiere zurückkamen, soll dies bei allen übrigen Teilnehmern erst mehr oder weniger weit nach Mitternacht der Fall gewesen sein.

Der Samstag gehörte wieder dem Projekt. Am Vormittag ging es ins Schlossmuseum in Murnau zu den dortigen Beständen der Maler im Blauen Land, insbesondere der laufenden Gabriele Münter- und Paul Klee- Sonderausstellung.
Nach einem Mittagessen in Uffing schloss sich (auch auf besonderen Wunsch der Gäste) eine Führung durch Feldafing an. Am Abend waren die Besucher vom Verein „Freunde von Bouc Bel Air“ auf das 910. Feldafinger Kerzenfest eingeladen. Angesichts von über 40 Grad in Marseille an diesem Tag genossen die Gäste dort bei Brotzeit, Rosé und Crémant lange unser angenehmes Sommerwetter. Der uns freundschaftlich verbundene Verein für die Städtepartnerschaft zwischen Vaterstetten und Allauch war mit fünf Mitgliedern ebenfalls vertreten, darunter die Vereinsvorsitzende.

Besuch aus Vaterstetten

Unsere Fotografin Margaux
Am Sonntag, den 12. Juli, trafen sich die Gäste und Gastgeber vor dem Rathaus zur Verabschiedung. Sodann machten sich unsere Besucher wieder auf den Heimweg. Alle hatten eine glückliche Rückkehr und ließen uns dies freundlicherweise auch wissen.
Bürgermeister Schremser hatte in seiner Begrüßungsansprache erklärt, wie gerne er wieder nach Bouc Bel Air kommen wolle. Dort war er 2025 zum ersten Mal. Er will nächstes Jahr im Rahmen seiner Fahrt in den Pfingsturlaub extra einen Zwischenstopp in Bouc Bel Air einlegen. Auch wir freuen uns, mit ihm zum dann ebenfalls dritten Gegenbesuch an Pfingsten 2027 wieder nach Südfrankreich zu fahren.
Der Verein Freunde von Bouc Bel Air dankt dem Partnerverein „Association des amis de Feldafing“ für die Mitwirkung bei der Organisation, den Gästen für ihr Kommen und allen Mitwirkenden auf deutscher Seite für ihre tatkräftige Mithilfe. Sehr viele unserer Mitglieder waren bei allen Programmpunkten zugegen, einschließlich des Abschieds.

Vive l’amitié franco-allemande!
Ilse Vossius
